Reise: Nicaragua
Wo die Erde brodelt
Im Land der 1.000 Vulkane
Schwer atmend stehe ich auf dem Gipfel – es riecht penetrant nach faulen Eiern, die schwefelhaltige Luft um mich herum wabert und dampft. Der Cerro Negro, einer der jüngsten aktiven Vulkane unserer Erde, kommt niemals zur Ruhe. Unter mir schmelzen gleich die Sohlen meiner Wanderschuhe auf dem weichen Untergrund – kein Wunder, nur 60 Zentimeter tiefer ist die Erde 360 Grad Celsius heiß!
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Ehrfürchtig und auch ein bisschen ängstlich blicke ich auf die wabbelnde Erdoberfläche, die unentwegt weißen Dampf ausstößt. Nicaragua wird auch das Land der 1.000 Vulkane genannt. Tatsächlich sind es zwar „nur“ gut 40 Vulkane, die sich entlang der Pazifikküste wie an einer Perlenkette aneinanderreihen – der Anblick ist dennoch einzigartig. Über die Hälfte von ihnen sind noch aktiv, sechs der Feuerberge will ich mit meiner kleinen Reisegruppe besteigen.
Vulkanbesteigung
Erst gestern sind wir in der Hauptstadt Managua gelandet, die etwa 100 Kilometer zum Fuße unseres ersten Vulkans haben wir in Jeeps zurückgelegt. Wir campen auf einem Bauernhof, mitten im Nirgendwo. Am nächsten Morgen zippe ich mich schon um 4:30 Uhr aus meinem Schlafsack, begrüße Hühner und Ferkel, die vor meinem Zelt spazieren, und beobachte den Bauern beim Melken meiner Kaffeemilch.
Noch im Morgengrauen brechen wir aus unserem Basis-Camp auf. In der Morgenkühle müssen wir möglichst viel Strecke machen, bevor die Sonne erbarmungslos brennt, denn heute wollen wir zwei Vulkane, den Las Pilas und den Cerro Negro, auf einen Streich schaffen. Der Pfad schlängelt sich durch Trockenwald, der zu dieser Zeit struppig und leicht begehbar ist, da die Bäume ihre Blätter während der Trockenzeit abwerfen.
Kaum zu glauben, dass man während der Regenzeit eine Machete braucht, um hier durchzukommen. Mir rinnt der Schweiß bei tropischen Temperaturen um die 38 Grad hemmungslos aus jeder Pore übers Gesicht und den ganzen Körper. Jeder Stopp ist mir willkommen – ob zum Trinken oder Staunen.
Monika Neiheisser
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