Reise: Florida
Florida - Im Kajak durch die Everglades

Sixpack am Strand
Tatsächlich stehe ich am nächsten Tag bei Sonnenaufgang am Beach und übe Qigong. Ich versuche, mit einem imaginären Ball zwischen den Händen meine Wünsche zu visualisieren (aussehen wie Gisele Bündchen!), meine Willenskraft zu aktivieren (jeden Tag Sport machen!) und korrekt zu atmen (nicht in die Brust, in den Bauch!).
Leider bin ich etwas unkonzentriert. Schuld ist Fitnesstrainer Jeff. Ich muss dauernd wie paralysiert auf seine Muskeln starren: dieser Bizeps, dieser Waschbrettbauch – da kann doch kein Mensch an richtiges Atmen denken! Ich gebe auf und gehe auf der Hotelterrasse frühstücken: Müsli und Mango-Smoothie, dazu der Blick aufs türkisfarbene Meer – der perfekte Start in den Tag.
Später gehe ich eine Runde zum Climbing an die Kletterwand im Gym und nehme eine Zumba-Stunde. Das Training aus Aerobic und Latino-Tanzelementen wie Samba, Salsa und Merengue pusht den Energielevel – und die Laune! Den Nachmittag verbringe ich danach ganz entspannt am Strand – mit Aussicht auf Sixpack-Jeff, der eine Beach-Bootcamp-Stunde gibt.
Filmkulisse
Am Morgen darauf miete ich mir ein Bike und starte zum Sightseeing in der Stadt. Wer Miami sagt, meint üblicherweise South Beach, den südlichsten Strandabschnitt der City, von den Einheimischen kurz „SoBe“ genannt. Hier sieht es aus, als wäre man in einer Folge von „Miami Vice“ gelandet: Am Meer entlang führt der berühmte Ocean Drive, eine Flaniermeile mit schicken Bars, Restaurants und jeder Menge Boutiquen.
Dazwischen stehen die typischen bonbonfarbenen Hotels im Art-déco-Stil der 30er-Jahre. Und der Strand selbst ist ein Open-Air-Gym, wo sich jeder sportlich zu betätigen scheint: beim Walken, Volleyballspielen oder Surfen – kein Wunder, dass hier alle so gut in Form sind!
See you later, Alligator!
Mein nächstes Ziel liegt nur 40 Kilometer westlich von Miami: die Everglades, ein 6.100 Quadratkilometer großer Nationalpark, der über 360 Vogel-, 50 Reptilien- und 40 Säugetierarten beheimatet. Hier leben Seekühe und Schildkröten, Schwarz- und Waschbären, Flamingos, Pelikane – und Alligatoren! Idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in das Naturschutzgebiet ist Everglades City.
Die „Stadt“ zählt nur 500 Einwohner, eine Handvoll Restaurants und Hotels. Ich quartiere mich im „Ivey House“ ein, das auch Exkursionen anbietet: Wandern, Fischen oder einen Trip mit dem Airboat. Ich entscheide mich für eine Kajak-Tour. Treffpunkt ist am nächsten Morgen um sieben Uhr an der Rezeption, von da geht es 15 Minuten im Mini-Bus in die Everglades. Wir sind zu acht, eine bunt gemischte, internationale Truppe.
Nach einer äußerst beruhigenden Einführung von Guide Liz („Alligatoren fressen nur selten Menschen!“) paddeln wir los. Es ist ein wunderschöner Ausflug: Drei Stunden cruisen wir durch die tropische Sumpflandschaft, das Ufer gesäumt von Palmen und Mangroven. Plötzlich ein Alligator, direkt vor uns im Wasser! Ich wage kaum zu atmen. Was, wenn ich jetzt kentere? Doch das Reptil blinzelt nur träge, taucht ab und verschwindet.
Aber es gibt ja noch ein anderes gefährliches Wesen hier: den Skunk Ape (Stinktier-Affe), ein haariges Monster, das bis zu drei Meter groß werden soll! Wirklich bewiesen wurde seine Existenz nie, aber wenn man in Everglades City abends in einer Bar sitzt, trifft man garantiert jemanden, der ihn schon mal gesehen hat, den Ape. Und mit jedem Drink wird er größer.
Christine Bredow , Uschi Zietsch









