Heute im Fitness-Studio
Passionierte Saunameister
Bis vor Kurzem hätte ich auf die Frage, ob ich gerne in die Sauna gehe, vorbehaltslos mit "Ja" geantwortet. Zwar gibt es gerade in der gemischten Sauna den ein oder anderen unerwünschten (An)-Blick, aber eigentlich finde ich nichts erholsamer als so ein Schwitzbad. Eigentlich!
Denn neulich geriet ich unter Volldampf, und das NACH meinem Workout im Fitness-Studio, als ich nur noch eines wollte: Eine Runde Schwitzen, ohne mich dabei anstrengen zu müssen. Von diesem Wunsch beseelt machte ich mich auf den Weg in die Sauna. Außer mir befand sich darin nur eine ältere Dame. Wir brühteten geruhsam vor uns hin und machten ab und an einen Aufguss, als sich die Türe öffnete und ein junger Mann herein kam. "Guten Tag, stört es die Damen, wenn ich meinen eigenen Aufguss mache? Eine Mischung aus Pfefferminz und Fichtennadeln, wahnsinnig gut für das gesamte Wohlbefinden", sagte er. Ich weiß nicht, ob es die Müdigkeit war oder der charmante österreichische Dialekt, aber wir willigten arglos ein. Und schon legte er los.
Im ersten Moment betrachtete ich noch belustigt sein eifriges Treiben und dachte mir: "Typisch Mann! Selbst in der Sauna noch voller Ehrgeiz!", aber bereits im nächsten Augenblick biss mir ein undefinierbarer Geruch, der mich an ein Gemisch aus Mundspülung und Franzbranntwein erinnerte, in der Nase und spätestens beim zweiten Aufguss fühlte ich mich wie in einer Kaugummiblase gefangen, die mit einem fiesen Nadelbaum-Raumduft gefüllt zu sein schien. Auch die Dame neben mir hatte bereits einen leicht verstörten Gesichtsausdruck aufgesetzt. Doch völlig unbeirrt davon verausgabte sich "Alois, passionierter Saunameister", - wie er sich uns vorstellte -, dass es nur so zischte und dampfte, während meine gesamten Schleimhäute mehr und mehr zu brennen begannen und ich innerlich schon zu brodeln drohte. "Gell, des is was feines. Da nehmen die letzten Bazillen Reißaus", war das Letzte, was durch eine immer dicker werdende Dampfwolke zu mir drang, bevor ich es den Bakterien gleichtat und Hals über Kopf aus der Kabine flüchtete.
Aber auch aus dieser Geschichte habe ich etwas gelernt: Zwar bin ich mir nicht sicher, ob es sich bei diesem speziellen Saunameister um eine Berufsbezeichnung, einen Wettkampftitel oder eher einen Künstlernamen handelte. Aber eines weiß ich ganz genau: Ich werde mich sicher vergewissern, dass kein Exemplar dieser Spezies anwesend ist, bevor ich mich das nächste Mal in die Sauna wage.
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