Dr. Rosa Aspalters Blog
Was sind 100 Prozent?

Dass die Lebensmittelindustrie sehr findig ist, um Produkte schmackhaft zu machen und unter Umständen den puren Zuckerhaufen als gesund darzustellen vermag (als die „Extraportion Milch“ etwa), das ist ja bekannt.
Aber hier scheinen sich nun mal wirklich die besten Werbestrategen aller Branchen zu versammeln! Woran ich das merke?
Also, ich hab mir heute in der Eile (nach jeweils einigen Stunden Büro und Arztpraxis) ein Tiefkühlprodukt in der Mikrowelle erhitzt. Es war eine Lasagne al Forno.
Wie gesagt, ich hatte großen Hunger, sodass es mir zwangsläufig schmeckte. Und erst einige Zeit danach, als ich schon ein wenig in Auskling- und Feierabendstimmung kam, sah ich bewusst auf die Verpackung, die da, ich weiß eigentlich gar nicht warum, noch immer in der Küche lag.
Lasagne al Forno - Links unten der sehr österreichische Werbeslogan „Iss was Gscheit’s“ für die Österreich-Kampagne. 350 Gramm hat die Packung. Und klar hab ich die verputzt.
Versteckte Hinweise
Ich wende die Packung. Jetzt interessieren mich doch auch die Kalorien: 429 Kilokalorien für die gesamte Portion. Nun, wenn das die ganze Mahlzeit ist, ist das ja halb so wild!
Ich drehe die Packung in Gedanken versunken zurück zur Vorderansicht – und plötzlich lese ich da: Mit 100 Prozent Fleisch. Hoppala! Was heißt denn das? Lasagne hat bekanntlich auch Teigwarenblätter zwischen drinnen. Also wie geht das? 100 Prozent Fleisch?
Und jetzt wird’s philosophisch, denn es kommt auf das kleine Wörtchen „mit“ an! „Mit 100 Prozent Fleisch“. Das ist der Übertrick! So kann ich alles ins schöne Licht rücken! Egal, wie viel davon nun tatsächlich drinnen ist, und sei es ein Quäntchen, ich kann behaupten: „Mit 100 Prozent Superelexier“ – „Mit 100 Prozent edelster Bohne“ –„Mit 100 Prozent Natur“ - oder was auch immer! Ist ja nicht gelogen solange nur etwas mit dabei ist! In welchen Mengen, darüber mag man dann rätseln, wenn man anhand der Reihenfolge der Ingredientien auf die tatsächlichen Mengen rückschließen möchte. Wow!
Die ganze Botschaft lautete aber: „Mit 100 Prozent Fleisch aus Österreich“. Nur war der zweite Teil der Botschaft so getrennt von der ersten (in Form einer österreichischen Flagge), dass ich gar nicht bis zum 2. Teil las!
Ich war offenbar zu befangen von diesen „100 Prozent Fleisch“! Werbebotschaften sind eben kurz – und sogar bei solch kurzen Botschaften kürzt der Empfänger noch ab und liest nur „Mit 100 Prozent Fleisch!“ Und was 100 Prozent ist, ist eben gut!
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