So relaxed die Welt
Shiatsu
Shiatsu bedeutet nichts anderes als Fingerdruck. "Shi" ist im Japanischen der Finger, "atsu" heißt Druck. Die Behandlungsmethode ist in dieser Form noch gar nicht so alt, erst Anfang des 20. Jahrhunderts kombinierte man in Japan energetische Körperarbeit mit manueller Therapie und nannte es Shiatsu. Allein um zu zeigen, dass es sich dabei nicht um eine reine Entspannungsmassage handelte, sondern auf ostasiatischen Medizintraditionen basierte, insbesondere dem Meridiansystem der Traditionellen Chinesischen Medizin. Allerdings ist "Fingerdruck" ein ein wenig umfassender Begriff für diese Körperarbeit - und der Massierende arbeitet wirklich.
An Tomoko, der Japanerin, die im Blue Spa Shiatsu-Behandlungen gibt, ist leicht erkennbar, dass weniger Muskelkraft sondern Körpergewicht bei der Massage eingesetzt wird. Sie ist eine zart wirkende Person, aber ihre Finger, Handballen, ihr Ellbogen, ja sogar ihre Knie finden die zu drückenden Schmerzpunkte und greifen tief hinein. Deswegen übt Tomoko Shiatsu auch am liebsten auf einer Matte am Boden aus, damit sie den Behandelten von allen Seiten leicht erreichen kann.
Ich habe eigene Kleidung mitgebracht, die ich während der Behandlung tragen wollte, denn bei Shiatsu ist der Kunde nicht unbedingt nackt, das variiert. Im Westen wird hauptsächlich die Technik von Masunaga praktiziert, der leichte Bekleidung anordnete. Doch Tomoko blickt auf meine Leggins und den dünnen Pullover und entscheidet, dass diese Kleidung für ihre Behandlung nicht taugt. Sie könnte sie zerreißen. Das klingt zunächst ein wenig beunruhigend und ich stelle mir kurz die Frage, ob es mir denn gelingen wird, auf Japanisch zu entspannen.
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